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Interview: Nico Vaeen // ANNISOKAY

Hi Nico, beschreibe bitte als erstes, was Schlagzeugspielen für dich persönlich ausmacht:

Alles.

Du bist seit geraumer Zeit fester Drummer der Metalband ANNISOKAY. Wie bist du zu den Jungs gekommen?

Tatsächlich habe ich den Jungs einfach geschrieben und wenige Wochen nach unserer ersten Probe haben wir unsere erste gemeinsame Show gespielt.
Es hat von Anfang an super gepasst und ich fühle mich sehr wohl bei den Jungs.

Wie kann man sich den obligatorischen Songwritingprozess bei euch vorstellen? Inwieweit bist du integriert?

Jede Idee besteht schon aus einem gesamten Songgerüst, natürlich noch sehr rough, aber inklusive vorprogrammierten Drums. Die erste demoartige Songversion gibt mir Denkanstöße, in welche Richtung der Song gehen wird und wie komplex oder eher straight die Stimme des Schlagzeugs klingen soll. In den meisten Fällen passt die Grundidee schon sehr gut, dann ändere ich lediglich Kleinigkeiten ab, die ich intuitiv eben einfach anders spielen würde. Manchmal passt aber auch eine komplett andere Idee wesentlich besser zum Song, dann werden die Drums durchaus auch nochmal umgekrempelt. Das kann auch nur bei einem einzelnen Part der Fall sein. Grundsätzlich kommt für mich auch nur das auf Platte, was live umsetzbar ist. Das gilt natürlich auch umgekehrt: das, was ich live spiele, will ich auch eins zu eins auf Platte haben. „Klingt echt geil, kann ich zwar live nicht umsetzen, aber egal!“ gibt´s demnach bei mir nicht.

Betreibst du die Trommelkunst als Beruf?

Musik zu machen ist für mich schon lange kein reines Hobby mehr. Mittlerweile richte ich alles in meinem Leben darauf aus, die Musik zu meinem Hauptberuf zu machen und baldmöglichst ausschließlich davon leben zu können.

Was ist deine Hauptinspiration, wenn du dich zum Üben an dein Drumset setzt?

Überwiegend sind es Licks oder Grooves, die ich entweder für eigene neue Songs im Kopf habe oder die aus fremder Feder stammen.

Hast du heutzutage eine konstante Überoutine? Wenn ja, welche?

Abgesehen vom „einfachen“ Rumgespiele am Drumset habe ich einige „Menüpunkte“, wie z.B. Rudiments, gerne auch Abfolgen oder als Fill eines Grooves angewandt. Dasselbe gilt für meine Warmmachroutine vor Shows, viel wichtiger ist für mich allerdings ein ordentliches Dehnprogramm, bevor es auf die Bühne geht. Es kommt natürlich auch immer darauf an, wie viel Zeit mir zur Verfügung steht. Aber vor allem, wenn man mehrere Wochen am Stück unterwegs ist, kommt einem eine gewisse Regelmäßigkeit sehr zugute.

Was ist deine prägendste Erfahrung als Livedrummer?

Das Jahr 2016 ist bisher so ziemlich meine abenteuerreichste Erfahrung als Musiker überhaupt. Ich hatte das große Glück, großartige Festivals spielen zu dürfen, u.a. das With Full Force oder auch Rock im Park. „Fun“ fact: Mit meiner anderen Band JOLEEN waren wir bei Rock am Ring geplant, leider ausgerechnet am Festivalsonntag, dem ersten Tag in der Geschichte von Rock am Ring, an dem das Festival komplett abgebrochen werden musste.

Was ist deine persönliche Definition von Groove?

Das ist eine kompliziert zu erklärende Kiste. Tight ist nicht gleich tight, untight ist nicht gleich untight. Ob ein Drummer groovt, ist eine sehr individuelle Eigenschaft und auch Geschmackssache. Da gibt es kein „richtig oder falsch“. Die wichtigsten Aspekte für mich sind Microtime, Kontinuität und wenn mein Kopf in irgendeiner Art und Weise dazu mitnicken möchte.

Findest du Kenntnisse im Bereich Noten- und Rhythmiklehre dienlich oder wäre es vorteilhafter, wenn die Musik mehr intuitiv aus den Fingern kommt?

Da ich von Anfang an Schlagzeugunterricht genießen durfte (Großen Dank an Benno Sattler), kenne ich es nicht anders, als mich immer wieder mit Noten- bzw. Rhythmiklehre zu befassen. Ich bin ein großer Verfechter von ausgechecktem Schlagzeugspiel, sprich ich möchte in der Lage sein, Notiertes umsetzen und auch Gespieltes notieren zu können. Dabei bleibt es aber nicht, ich gehe noch einen Schritt weiter und finde, es ist in der heutigen Zeit gerade für uns Schlagzeuger essenziell, sich ebenfalls mit Melodie- und Harmonielehre auseinanderzusetzen. Man sollte grundsätzlich breit aufgestellt sein, das eröffnet einem potentielle neue Bereiche und im besten Fall bringt es Jobs in Genres, die ursprünglich vermeintlich nicht jemandes Steckenpferd waren. Viele Schlagzeuger sind parallel Producer und/oder schreiben gar eigene Songs. Eigenes Songwriting ist kein Muss, aber das Wissen zu besitzen, hilft mir in vielen Situationen weiter, mich in Diskussionen einzubringen und mich professionell auszudrücken.

Ich hätte z.B. bis vor einigen Jahren auch nicht gedacht, dass ich mal als Schlagzeuger in einem großen Musicalorchester komplett nach Noten spielen würde. Das ist eine komplett andere Baustelle, auf die ich mich aber einstellen konnte. Du bist als Schlagzeuger auf einmal nicht mehr derjenige, der die Band zusammenhält, sondern musst dich nach einem Dirigenten orientieren – wenn auch inhaltlich meist sehr modern, agierst du aus musikalischer Sicht eher als Klassiker.

Was sind die essenziellsten Punkte, die du Nachwuchsdrummern mit auf den Weg gibst?

Übt, so viel ihr könnt. Nutzt jede freie Sekunde, die ihr bekommen könnt, verbessert eure Paradiddles notfalls auch auf Omas Kochtöpfen. Üben heißt im übrigen nicht ausschließlich gleich nervige Rudiments spielen, bis sie einen in seinen Träumen verfolgen. Das gehört natürlich auch dazu, denn ein gewisses Maß an Technik sollte man sich aneignen. Viel wichtiger ist aber in meinen Augen die andere Art des übens: Spielen! Gründet bzw. sucht euch eine Band und schreibt Musik, die euch gefällt. Macht euch nicht schlechter als ihr seid und verkauft euch niemals unter Wert. Liveroutine bekommt ihr nämlich nicht durch stundenlanges üben, sondern durch wachsende Showanzahl. Das Allerwichtigste ist aber: habt Spaß, was immer ihr auch macht!

Welche Highlights sind dieses Jahr noch bei dir geplant?

Wir gehen im November nochmals auf Tour durch Europa. Nach meiner Debuttour im Mai (mit THE WORD ALIVE) dieses Mal zusammen mit unseren Freunden von ESKIMO CALLBOY, als Supports sind PALISADES und HER NAME IN BLOOD mit am Start. Die Dates habe ich euch angehängt und würde mich sehr freuen, den einen oder anderen von euch bei einer Show zu sehen!

Dein Plattentipp des (Folge-)Monats?

„Devil May Care“ von Annisokay 😉 (Release 11/11/16) – ansonsten: „Headspace“ von Issues

ANNISOKAY Tourdates:

16.11.16 DE-Göttingen (Album Release Show)
17.11.16 DE-Dortmund
22.11.16 AT-Aarau
23.11.16 DE-Karlsruhe
24.11.16 DE-Wiesbaden
25.11.16 DE-Magdeburg
26.11.16 DE-Dresden
27.11.16 CZ-Prag
29.11.16 AT-Linz
30.11.16 DE-Ravensburg
01.12.16 DE-Augsburg
02.12.16 DE-Bremen
03.12.16 DE-Herford
04.12.16 DE-Nürnberg
16.12.16 DE-München (X-MAS BASH)

www.annisokay.de

www.joleen.eu